Kategorie: #DigitalMondayBlog

Microsoft365 als Equality Booster

Wann ist die COVID-19 Pandemie endlich vorbei? Während die Antwort auf diese Frage einem Glücksspiel gleicht, gab es dennoch auch positive Nebeneffekte der Krise auf das Arbeitsleben: Wir arbeiten oftmals mobiler, flexibler und effizienter. Begünstigt wird diese Art der Arbeit durch Cloudlösungen wie Microsoft365, die sich in den letzten zwei Jahren auch in Österreich in verschiedenen Unternehmen und Unternehmensgrößen eingefunden haben.

Wie ich schon 2020 berichtet habe, ergaben sich dabei in vielen Unternehmen völlig neue IT-Projekte – und das auch in Betrieben, deren Kerngeschäft nicht die IT ist, die aber dennoch mit einem Schlag erhöhten Bedarf an fachkundigem Personal für verschiedene Aufgabenstellungen hatten: Umstellung auf die Cloud, Inbetriebnahme von hybriden local/cloud Arbeitsumgebungen, Virtualisierung von Telefon- und Meetingsystemen, Archivierungs- und Revisionsprojekte, …

Das sind gute Neuigkeiten für jene (zukünftigen) ArbeitnehmerInnen, die sich auf Cloud- Technologien spezialisieren, ihr Können auf einer technischen Ausbildung basieren und auf Erfahrungen im Cloud-Bereich verweisen können.

Doch der IT-Branche fehlt nach wie vor eines im erhöhten Maße: weibliche Fachkräfte.

So ist es, wie ich in meinem täglichen Arbeitsalltag mit diversen Stakeholdern beobachten kann, für viele Firmen ein wichtiger Schritt, Fachkräfte aus verschiedenen internen Abteilungen für interne Software-Projekte an Board zu holen. Dadurch soll gewährleistet sein, dass die IT bei der Materie greift und die betroffenen Abteilungen stärkt, anstatt zu überfordern. Bei relativ „low-tech“ Projekten wie der Erstellung von Kommunikationsrichtlinien für Microsoft Teams sehe ich Männer und Frauen in den interdisziplinären Arbeitsgruppen. Doch dreht es sich um technischere Themen wie Security- oder Admin-Einstellungen, findet man oft eher nur Männer vor – und interessanterweise nicht nur jene mit IT-Tätigkeit, sondern auch „fachfremde“ Personen nützen die Gelegenheit, sich in den neuen IT-Themen zu profilieren. Doch wo sind die Frauen?

Ein Blick auf eine „Landkarte“ der M365-Cloud-Skills für Österreich zeigt hier eine Wurzel des Problems: Sucht man auf der offiziellen Seite nach weiblichen Microsoft MVPs in Österreich („Most Valuable Professional“), finden sich (Stand 05.10.2022) gerade mal 3 Frauen, denen die prestigehafte Auszeichnung für Professionalität im Bereich Microsoft365 Cloud Technologien in Österreich verliehen wurde, siehe Screenhot #1. Dabei scheitert es nicht an der auszeichnenden Stelle, sondern in Österreich sind schlichtweg zu wenige Frauen im Bereich M365 Cloud professionell tätig.

Screenshot #1: Ein beispielhafter Blick auf die aktuelle Joblandschaft in Österreich zeigt aber: Skills in diesem Cloudbereich sind sehr begehrt, die Einsatzbereiche breit und divers gestreut und die Bezahlung sowohlgut als auch nach oben verhandelbar.

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Screenshot #2: Damit zeigt der Jobmarkt ein besonderes Bild, das Frauen sich zunutze machen können:
Microsoft365-Fachkräfte werden händeringend gesucht, es gibt aber einen klaren Mangel an
verfügbaren, qualifizierten Fachkräften. Die perfekte Ausgangslage, um Frauen als CloudSpezialistinnen in Österreich zu etablieren!

Doch wie können sich Frauen diese Situation zunutze machen? Als Einstieg beachten Sie diese Tipps:

  1. Falls der Bereich Microsoft365 für Sie noch recht neu ist: Setzen Sie sich mit der Materie auseinander! Quellen wie Microsoft Learn, LinkedIn Learning (gegen Gebühr) oder YouTube (siehe z.B. hier) sind ein guter Anfang, sich in die Materie einzulesen und -lernen.
  2. Bleiben Sie hands-on: Sobald Sie einen ersten groben Überblick über M365 haben, ist es unerlässlich, selbst auszuprobieren, was alles möglich ist! Ein erster Einstieg könnte hier eine Lizenz über Ihre Firma oder Ihre Ausbildungsstätte sein: Wenn MS Teams im Einsatz ist, können Sie sich über www.office.com mit den (Firmen)-Credentials einloggen und auf einige Funktionen sofort zugreifen.
  3. Tauschen Sie sich mit Ihren AdministratorInnen aus: Microsoft365 lebt von der Funktionsvielfalt – doch für „normale“ User sind viele Features nicht freigeschaltet. Bringen Sie den Ihnen bzw. Ihrer Firma zugewiesenen Lizenztyp in Erfahrung (z.B. „E1“) und googlen Sie dann den Funktionsumfang der Lizenz um zu wissen, was in der Firmenumgebung möglich wäre (siehe Screenshot #3). Sprechen Sie mit Ihrer Führungskraft, ob es eine Möglichkeit gibt, manche der im Preis enthaltenen Features für Sie freizuschalten. Die Firma wird durch Ihr Know-How sofort profitieren.
  4. Testen Sie! Wenn genügend Funktionalitäten freigeschalten sind, gilt es, diese auf Herz und Nieren zu testen. ACHTUNG: Cloud-Speicherplatz ist in einfachen Lizenzen oft stark limitiert. Führen Sie daher Buch über Ihre angelegten Teams, SharePoint Seiten oder Apps und/oder kategorisieren Sie diese, damit sie nach den Tests leicht löschbar sind.
  5. Dokumentieren Sie: Sie werden im Zuge Ihrer M365-Journey viele sinnvolle Tricks lernen, auf die Sie oft und gerne zurückgreifen werden. Leider ist vor allem die deutsch-, aber auch die englisch-sprachige Microsoft Technical Dokumentation oftmals Antworten schuldig, weshalb Sie Lösungen auf StackOverflow oder Microsoft Communities finden werden. Machen Sie Screenshots, Notizen und kopieren Sie die URLs, und verwalten sie diese z.B. in OneNote.
  6. Wenden Sie sich an mich! Im Zuge meiner MVP-Tätigkeiten biete ich 1-2x pro Jahr GRATIS online M365 Fortbildungen exklusiv für Frauen und (Quer-)Einsteigerinnen. HIER erfahren Sie mehr.
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Screenshot #3: Was ist in meiner Microsoft 365 Lizenz enthalten?

Sie möchten einen weiteren Schritt in Richtung Cloud Professionalität setzen?

  1. Sobald Sie sich von der allgemeinen Benutzeroberfläche weg bewegen Richtung Adminund Developer-Features, wird der M365-Stack besonders interessant: Nicht nur finden sich hier zig Möglichkeiten, das Meiste aus der Lizenz rauszuholen – jobmäßig stehen hier ebenfalls wesentlich mehr Türen offen.
  2. Bleiben Sie realistisch: Gerade, wenn Sie in den Developer/Automation-Bereich vordringen wollen, ist eine solide technische Grundausbildung ein Muss! Investieren Sie in diesen Bereich, bevor Sie sich spezialisieren (gerne können Sie sich für Rat an mich wenden).
  3. Neben den verschiedenen modernen Programmiersprachen, sind diverse Microsoft-eigene Frameworks für Customizing besonders hilfreich. Dazu zählen neben Power Automate und PowerApps vor allem Microsoft Graph API und Power Shell.
  4. Legen Sie sich einen „Test Tenant“ zu, also Ihre eigene M365-Testumgebung, auf die Sie Admin-Zugriff haben. Üben Sie dort das Konfigurieren, Customizen und Automatisieren – ohne Ihren Firmen-Tenant zu „gefährden“ oder rechtemäßig eingeschränkt zu sein.
  5. Machen Sie sich über online Workshops und Zertifizierungen schlau, wie z.B. diese der #thenewITgirls.

 


© Anna Weninger

Anna Fritsch-Weninger ist seit 2006 in der IT-Branche tätig, seit 2022 Microsoft MVP und arbeitet derzeit als Cloud Solution Expert bei ACP IT Solutions in Wien. In ihrem daily business programmiert sie dabei als M365 Cloud Developer Automatisierungslösungen (mittels MS Power Automate, PowerShell, SharePoint API und Graph API) für verschiedenste Stakeholder und interdisziplinäre Aufgabenstellungen. Nicht zuletzt aufgrund ihrer dualen Ausbildung und pädagogischen Expertise (Informatik und Englisch Lehramt) schlägt ihr Herz für IT-Bildungsthemen und die Förderung von Frauen in der IT.

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