Digitaler Klimaschutz für Kinder und Jugendliche

Trotz des vielfältigen Angebots rund um Klimaschutz im Internet, an Schulen sowie in Buchläden wissen fast zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen nicht, was genau sie selbst gegen den Klimawandel tun können. Mehr Spaß und Spiel bei all der Ernsthaftigkeit des Themas können helfen, das zu ändern.

Als ich vor rund einem halben Jahr abends nachhause kam, fand ich unseren gesamten Papier- und Plastikmüll am Boden verstreut. Daneben saß einer meiner drei Söhne. Als ich ihn fragte, was er da mache, antwortete er: „Ein Raumschiff aus Müll.“

Willkommen in der Welt von Julius. Einem aufgeweckten, fünf Jahre alten Burschen, der große Augen beim „Ketchup-Fleisch-Burger“ von McDonald’s bekommt und dem es ein „Wow, voll cool“ entlockt, wenn er einen getunten BMW durch die Straßen von Wien flitzen sieht und hört. Der aber in der Zeit der Entstehung der ersten Klimawandel App für Kinder und Jugendliche auch eine andere Brille gelernt hat aufzusetzen, durch die er die Welt betrachtet. Eine, in der Sätze fallen wie „Papa, das ist doch Umweltverschmutzung“, wenn er Zigarettenstummeln am Boden liegen sieht. Und in der die Eisbären nicht aussterben sollen.

Wir wollen was tun, wissen aber nicht wie

In einer 2020 von SOS Kinderdorf durchgeführten Studie gaben 57% der Befragten Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren an, dass sie mehr für den Klimaschutz tun möchten, aber nicht wissen wie. Hochgerechnet auf ganz Österreich sind das rund 450.000 Kinder und Jugendliche, die sich für den Erhalt der Erde einsetzen möchten, aber bislang trotz des vielfältigen Informationsangebots im Internet, an Schulen sowie in Bücherläden noch keinen für sie passenden Zugang zum Tun gefunden haben.

Aus Wollen Können machen

Genau hier setzt die Klimawandel App BEAT3° an. In einem digital-spielerischen Setting machen Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren Challenges, sammeln dabei Punkte und können coole Preise gewinnen. Daneben enthält die App jede Menge nützliche Tipps, Quizzes, Explainer Videos sowie News rund um die Themen Klima-, Umwelt- und Artenschutz. Dabei ist es meinem Impact-Partner Alexander Ruzicka und mir wichtig, neben den „Klassikern“ wie Müll sammeln, aufs Rad, den Scooter oder in die Öffis zu steigen, ein paar Tage auf Fleisch zu verzichten oder Müll zu re- und upcyclen wichtig, das kreative und unternehmerische Potenzial der Kids und Teens vor allem in Form von Ideenwettbewerben entfalten zu helfen. Zum Beispiel in Form einer „Green Fashion Challenge“, in der die Nutzer*innen der App nicht nur mehr über den ökologischen Fußabdruck ihrer Konsumentscheidungen rund um das Thema Kleidung erfahren, sondern selbst eine nachhaltige Kleidermarke kreieren.

Wien Climate Challenge

Nach unserem ersten Piloten von Oktober bis Februar mit rund 350 Schüler*innen sowie weiteren Iterationen in Salzburg und Schwerpunkt-Challenges mit Partnern wie dem Jane Goodall Institut Austria („ZusammenWachsen“), Hektar Nektar („Rette die Bienen“) oder BRüSLi („Rette Brot – mach Müsli draus“), arbeiten wir nun mit Hochdruck an der Wien Climate Challenge 2021. Unser Anspruch ist kein geringerer, als gemeinsam mit der Bildungsdirektion Wien, Urban Innovation Vienna sowie weiteren lokalen Organisationen und Unternehmen das größte Klimaschutz-Event für Kids und Teens in Wien durchzuführen, in der die digitale mit der realen Lebens- und Impact-Welt verbunden wird.

Wenn ich groß bin, fahre ich weiter mit der (U-) Bahn

Eine Welt, in der Klima-, Umwelt- und Artenschutz das Natürlichste auf der Welt sind. Weil die Erwachsenen von morgen schon heute damit groß werden. Das ist unsere Vision. In der Hoffnung, dass unser kleiner Baustein dazu beiträgt, dass nicht nur Julius, sondern viele andere Kinder und Jugendliche sagen, wenn sie mit 18 über das erste Auto nachdenken: „Nein, ich fahre weiter mit der (U-) Bahn.“


© BEAT3°

Mathias Nell ist einer der Gründer von BEAT3°, der Klimawandel App speziell für Kinder und Jugendliche.

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