Kategorie: #DigitalMondayBlog

Auf ein Neues!

Das Jahr 2021 stand erneut ganz im Zeichen der Pandemie – und damit auch im Zeichen der weiteren Digitalisierung. Der tägliche Gebrauch digitaler Technologien – beim Testen, beim Impfen, beim Bestellen von Essen, bei der Videokonferenz, … – hat den Umgang damit selbstverständlicher gemacht und die Digitalkompetenz in breiten Teilen der Bevölkerung deutlich erhöht. Die digitalen Instrumente konnten ihre Nützlichkeit so unter Beweis stellen. Trotzdem gilt auch: Die Zeit ist vorbei, in der jede digitale Technologie per se als Innovation galt.

Zunehmend muss der Nachweis erbracht werden, dass der Einsatz digitaler Tools eine Verbesserung bringt. Damit beginnt ein Kulturwandel, der dringend notwendig ist und einen echten Qualitätsschub auslösen kann.

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass die Weichen der Digitalisierung neu gestellt werden, dass es darum geht, gesellschaftlich auszuhandeln, wie wir digitale Technologien sinnvoll einsetzen wollen. >> Hier nachzulesen! Was ist in diesem Bereich tatsächlich passiert?

Ethik autonomer Systeme

Eine zentrale Frage der letzten (und auch der nächsten) Jahre ist der Umgang mit automatisierten Entscheidungen. Max Schrems hat in seinem Buch schon vor Jahren beschrieben, wie machtlos man ist, wenn die Antwort auf einen Antrag schlicht lautet: „Computer says no“. Und wir kennen alle die Debatten über Entscheidungsverzerrungen durch Algorithmen, die einen gesellschaftlichen Fortschritt geradezu verhindern. So werden einerseits Algorithmen für viele Berufsbilder wohl Männer bevorzugen, weil Frauen die Care Arbeit verrichten – und deshalb eine „kürzere“ Erwerbsbiografie haben. Autonome Systeme können hier traditionelle Rollenbilder fortschreiben – anstatt auf eine Veränderung hinzuwirken. Wer sagt aber, dass das so sein muss oder soll?

Auf der anderen Seite können Algorithmen sehr präzise helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Schon vor einigen Jahren wurde – u.a. in Wien mit dem „Vienna Manifesto“ – die Debatte über den Digitalen Humanismus begonnen. Auch der größte Ingenieursverband der Welt, das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) mit Sitz in New York, hat sich diesem Thema angenommen. IEEE kommt aus dem Zentrum der Ingenieurskunst und hat als ein wesentliches Instrument das Setzen von Standards: Der vermutlich bekannteste ist der international gültige W-Lan-Standard. Und IEEE hat zwei Projekte im Kontext „Ethik und Algorithmen“ 2021 abgeschlossen – beide in Wien.

Zum einen wurde die Stadt Wien für ein Projekt als erste Kommune weltweit für den ethischen Umgang mit künstlicher Intelligenz zertifiziert. >> Hier nachzulesen! Die Wiener Stadtwerke haben sich dazu angeschaut, wie Technologien bei der Vorsortierung helfen können, aber dennoch sichergestellt wird, dass im richtigen Moment eine menschliche Entscheidung erfolgt. Damit wurde eine internationale Vorreiterrolle eingenommen, weil die Einhaltung bestimmter Spielregeln zwingend notwendig ist, um überhaupt Akzeptanz für autonome Systeme zu schaffen.

Darauf zielt auch das zweite Projekt ab – der Standard IEEE 7000. Dieser Standard wurde international entwickelt, in führender Position von Sarah Spiekermann-Hoff von der Wirtschaftsuniversität Wien. Ziel ist es, Ethik in der Programmierung von Anfang an mitzudenken – was ein Meilenstein in der Entwicklung autonomer Systeme werden kann. Die Süddeutsche Zeitung hat ihren Artikel dazu wie folgt überschrieben: „Wild West ist nun vorbei“.

Transparency International hat Wien als transparenteste Stadt Österreichs ausgezeichnet. Das hat auch mit dem Einsatz digitaler Technologien zu tun: Wien hat als erste Stadt im deutschen Sprachraum ein Open Government Data Portal implementiert – und 2021 das zehnjährige Bestehen gefeiert. In der Data-Excellence-Strategie der Stadt Wien ist „Open by default“ vorgesehen. IT-Technologien ermöglichen den niederschwelligen Zugang zu Informationen – etwa durch den WienBot, der in der Pandemie wertvolle Dienste geleistet hat. Damit kann Wissen besser zugänglich gemacht werden.

Plattformökonomie

Der Digital Services Act Package ist noch nicht beschlossen – was auch daran liegt, das die Auffassungen der Nationalstaaten, wie sehr Plattformen für die Inhalte auf ihren Seiten haften, durchaus auseinandergehen. Bereits am 15.12.2020 hat die Europäische Kommission ihre Legislativvorschläge für zwei Verordnungen des „Packages“ veröffentlicht: den Digital Services Act (DSA) und den Digital Markets Act (DMA). Während der DSA das Hauptziel hat, eine bessere Haftungsregulierung sowie mehr Sicherheit und Verantwortung im Online-Umfeld zu gewährleisten, zielt der DMA auf faire und offene digitale Märkte unter Wahrung der Wettbewerbsprinzipien der EU ab. Damit soll die Plattformökonomie – derzeit noch durch die E-Commerce-Richtlinie aus dem Jahr 2000 geregelt – stärker reguliert werden. Abzuwarten bleibt, welches Ergebnis aus den Beratungen tatsächlich herauskommt.

Nicht nur in der EU, auch in den Städten bleibt das Thema akut. Wien konnte zwischenzeitlich einen schönen Erfolg nach einer jahrelangen Auseinandersetzung verbuchen: Gemeindewohnung können nicht mehr via Airbnb vermietet werden. >> Hier nachzulesen!

Diese Beispiele sollen deutlich machen, dass immer mehr Schritte gesetzt werden, die Digitalisierung auf einen besseren Weg zu geleiten. Der Diskurs darüber ist längst nicht beendet, die Erkenntnis aber, dass technologischer Fortschritt nicht neutral ist, sondern sich massiv auf unser Zusammenleben auswirkt, greift immer weiter um sich. Und dieser Erkenntnis folgen entsprechende Initiativen und Regelungen.

2022 – Ab ins Bergwerk

IT – das sind schillernde Figuren, das ist das Silicon Valley, in das tausende gepilgert sind, das sind immer neue Ideen und Produkte. Kaum ein Wort wird derart inflationär verwendet wie „Digitalisierung“, fast jedes Problem soll durch diese gelöst werden. Und es ist ja auch tatsächlich so, dass digitale Technologien die Welt massiv verändert haben. „Keiner möchte die technologischen Möglichkeiten missen, die jetzt so weit verbreitet sind. Sie schaffen Alternativen“ – das habe ich dazu vor einem Jahr geschrieben.

Zunehmend wird aber klar, was „Digitalisierung“ wirklich bedeutet: Es ist harte Arbeit an den Prozessen, an den User Journeys. Es müssen immer komplexere Systeme und Zusammenhänge verstanden werden. Und die IT muss viel besser erklären, was sie tut. Anders formuliert: Es geht um harte Arbeit, um konsequentes Umstellen der Prozesse und um eine kontinuierliche Weiterentwicklung.  Es geht – bildlich gesprochen – ins Bergwerk! Wir haben sehr viele Technologien zur Verfügung, die das Leben leichter machen – diese müssen nicht erst erfunden werden. Diese Möglichkeiten müssen jetzt konsequent „abgebaut“ werden. Das ist keine Zauberei, sondern Knochenarbeit.

Für Wien haben wir die Strukturen aufgestellt, dass „mein.Wien“ der zentrale digitale Anlaufpunkt für Bürger*innen und Unternehmen wird. Hier wird nun Schritt für Schritt mehr angebunden, hier wird 2022 einiges passieren.

In diesem Sinne: Glück auf – und einen guten Start ins Jahr 2022!


Amtseinführung Von Herrn Klemens Himpele

Klemens Himpele © C. Jobst/PID

Klemens Himpele, geboren 1977 in Emmendingen/Baden-Württemberg, ist studierter Volkswirt (Universität zu Köln). Er war zwischen 2012 und 2020 Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien und ist seit Oktober 2020 CIO der Stadt Wien. Davor war er in der Bildungsforschung, bei Statistik Austria und bei der deutschen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft tätig.

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