Kategorie: #DigitalMondayBlog , Frauen

Women in Health IT – Warum Wien ein guter Boden für so einen Think Tank ist

Digitalisierungshauptstadt, Gesundheitsmetropole und Female Entrepreneurship City Wien

2020 hat sich die Welt verändert. 2020 hat aufgezeigt, welche Probleme gelöst werden und wo wir schneller werden müssen und warum Zeit zum Nachdenken und Diskutieren dafür wichtig ist. Women in Health IT (w-HIT) hat lange vor 2020 die Digitalisierung und Personalisierung im Gesundheitssystem als Chance verstanden, eine hohe Qualität an Gesundheitsversorgung sicherzustellen, für Männer und Frauen gleichermaßen.

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Dafür braucht es Austausch innovativer Köpfe, Diversität und insbesondere die Integration von Frauen auf der Entscheider*innen-Ebene genauso wie auf jeder anderen Ebene: bei Patient*innen oder Ärzt*innen als potentielle Anwender*innen von Digital-Health-Lösungen, bei Versicherungen oder im Krankenhausbetrieb.

Im März 2019 haben Marta Haustein (US-Botschaft in Wien), Bettina Resl (Sanofi Aventis), Eva Waldmann (Pharmig) und ich w-HIT aus der Taufe gehoben. Unsere Mission ist Rollenmodelle aufzuzeigen, um diese Domäne für junge, vor allem auch weibliche Talente attraktiv zu machen und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Ziel ist, einem Gender-Bias entgegenzuwirken, egal, ob es um die Besetzung von Panel-Positionen und Keynotes bei Konferenzen oder um die Qualität von Daten für das Trainieren von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich geht. Hier gibt es noch einiges zu tun!

Gendermedizin zeigt Probleme auf

Die Gendermedizin hat beispielsweise aufgezeigt, dass bei Frauen ein Herzinfarkt öfter unerkannt bleibt als bei Männern, weil die landläufig bekannten, „typischen“ Symptome eher bei Männern vorkommen, Frauen aber andere „untypische“ Symptome aufweisen. Nimmt man nun Diagnose-Daten als Grundlage für das Trainieren einer Künstlichen Intelligenz, kann so eine „Dunkelziffer“ einfach einen Bias verstärken.

Ein anderes Beispiel: Medikamentendosierungen beziehen sich oft auf das Durchschnittsgewicht von Menschen, nicht von Männern oder Frauen getrennt. Ein weiteres (un-)lustiges Beispiel: eine zarte Frau, die sich gewissenhaft einer Darmspiegelung unterzieht, hat regelmäßig das Problem, dass die Menge an Darmspülflüssigkeit pro Einmalverpackung für sie eigentlich zu groß ist. Jetzt sei das konkrete Beispiel hier nicht weiter ausgebreitet, aber auch Mann kann sich vorstellen, dass das zwar grundsätzlich gut gemeint ist, um wirklich nichts zu übersehen, aber der Schuss – in dem Fall besonders zutreffend – nach hinten los gehen kann.

Auch wenn sich die Medizin der physiologischen Unterschiede schon lange bewusst ist, ist die Gendermedizin eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Für klinische Studien gibt es heutzutage klare Standards, die der Diversität der Patient*innen gerecht werden und damit die Datenqualität, Effizienz und Sicherheit von neuen Medikamenten sicherstellen. Aber es gibt viele bewährte Medikamente, deren Zulassung schon länger her sind.

Wissen wir, ob eine geschlechterspezifische Dosierung bessere Ergebnisse brächte, andere Faktoren nicht unterschiedliche Wechselwirkungen bei Männern und Frauen haben, die Einnahme von Medikamenten nicht nur Tageszeit-, sondern auch hormonzyklusabhängig unterschiedliche Wirksamkeit zeigt? Alles sehr komplexe Fragestellungen, denen sich in Wien nicht nur die Gender Medicine Unit der Medizinischen Universität Wien, sondern auch der Complexity Science Hub Vienna widmet. Daten über Daten müssen noch produziert und verarbeitet werden, um der bestmöglichen, individuelleren Versorgung wieder ein Stück näher zu kommen.

Regelmäßiger Austausch

Die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung, die strategische Ausrichtung der Stadt Wien sowohl als Digitalisierungshauptstadt als auch als Gesundheitsmetropole sind ein guter Boden für women in Health IT. Wir diskutieren regelmäßig beim w-HIT Breakfast und arbeiten zusammen mit health.digitalcity.wien und Organisationen wie „women in AI“, ein internationales Netzwerk von Frauen im Bereich Artificial Intelligence (AI) und Big Data. Auch bei Gründerinnen von Start-ups und Female Entrepreneurship hat Wien im internationalen Vergleich als Tech Hub mit 34 Prozent Frauen die Nase vorn. Das ist auch der aktuelle Frauenanteil unter den Gründer*innen im Hightech-Inkubator INiTS – im Vergleich zum Gründungsjahr 2002 kontinuierlich gestiegen.

2020 hat sich die Mission von w-HIT nur noch einmal mehr bestätigt. Mit einem lachenden Auge haben wir miterlebt, wie unsere Gemeinschaft binnen kürzester Zeit auf mehrere hundert Mitglieder gewachsen ist, vor allem Frauen, aber auch Männer. Wir kommen aus unterschiedlichsten Organisationen, großen und kleinen Unternehmen, Start-ups, aber auch Politik, Medien, Medizin und Wissenschaft. Uns allen sind Datenqualität, eHealth und personalisierte Medizin ein Anliegen. Mit einem weinenden Auge mussten wir feststellen, dass die COVID-19-Pandemie Frauen leider schwerer trifft und wir uns in Bezug auf Gleichstellung derzeit eher retrograd bewegen. Dies zeigt beispielsweise eine Studie von Deloitte und WoMentor auf.

Umso mehr: Anpacken ist die Devise! Willkommen in unserer Gruppe: linkedin.com/groups/13702833/


Irene Fialka

Irene Fialka ist promovierte Genetikerin, hat zehn Jahre in der biomedizinischen Forschung gearbeitet und begleitet seit 2004 Gründerinnen und Gründer von F&E-intensiven und wachstumsorientierten Start-ups. Seit 2012 ist sie Geschäftsführerin der INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH, einer Tochter der TU Wien, Universität Wien und Wirtschaftsagentur Wien zur Förderung von universitären Spin-offs. 2018 hat INiTS gemeinsam mit Uniqa unter ihrer Leitung als Managing Director den Health Hub Vienna lanciert – eine Open-Innovation-Plattform, Accelerator und Leitprojekt der Gesundheitsmetropole Wien, das seitdem viele weitere Partner begeistern konnte.

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