Warum Entrepreneurship in Österreich genau so normal werden muss wie Skifahren
Kitzbühel, Einfahrt in die Mausefalle, Blick nach unten. Ich bin mir sicher bei vielen löst das positive Gefühle aus – Vorfreude, Aufregung, schöne Aussichten. Aber stellen Sie sich mal kurz vor, Sie hätten nicht bereits in ihrer Kindheit Skifahren gelernt und stünden das erste Mal auf Skiern. Was fühlen Sie?
Es ist kein Wunder, dass Österreichs alpine Skifahrer seit Jahrzehnten olympische Goldmedaillen nach Hause bringen und die Hälfte des Landes dabei vor den Fernsehern mitfiebert. Es ist ebenso kein Wunder, dass die Gründer von Google, Facebook & Amazon nicht aus Österreich kommen und man Unternehmer hier generell eher kritisch beäugt. Während unsere Kinder flächendeckend auf Schulschikurs fahren, spielt unternehmerisches Denken in unserem Lehrplan aus dem 20. Jahrhundert nicht mal ansatzweise eine Rolle. In der Schule lernen wir vorgegebene Probleme mit vorgegebenen Lösungswegen zu beheben. Die perfekte Ausbildung, um als kleines Zahnrad in einem großen System zu funktionieren.
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Zukunft nicht den Zahnrädern gehört. Vielmehr wird es mehr kreative Querdenker brauchen, die neue Probleme erkennen und auch dann lösen können, wenn es keine Anleitung gibt. So mutig wie der Österreicher heutzutage der Mausefalle mit Vorfreude entgegen blickt, so ängstlich ist sein Umgang mit anderen Problemen im Alltag. Egal ob es um zu viel Verkehr, zu hohe Bankgebühren oder zu wenig Auswahl im Schuhgeschäft geht – der gepflegte Österreicher jammert und raunzt und denkt zumeist nicht mal darüber nach, ob er das Problem selbst lösen könnte. Andernorts werden währenddessen Waze, N26 und Zalando gegründet, um genau diese Probleme zu lösen.
Wenn Österreich als Wirtschaftsstandort auch in Zukunft eine Rolle spielen will, muss sich unser Mindset dramatisch ändern. Wir müssen unseren Kindern vorleben, dass jedes Problem gleichzeitig eine Chance darstellt, etwas zu verändern. Eine Chance, die noch nie größer war, als in der global vernetzten Welt von heute. 1875 hat das Telefon 50 Jahre gebraucht um seine ersten 50 Millionen Nutzer zu erreichen, heutzutage schaffen das die besten Innovationen innerhalb von 20 Tagen.
Umso wichtiger ist es, dass unser Bildungssystem mitzieht. Der schockierende Status Quo: Derzeit sind wir beim Thema unternehmerische Ausbildung laut Global Entrepreneurship Monitor EU-weit auf dem allerletzten Platz. Es wird also höchste Zeit, dass wir gemeinsam anpacken und unser Schulsystem an die Herausforderungen der Zukunft anpassen. Eine flächendeckende Entrepreneurship-Woche in allen Schulen wäre ein guter Anfang, um in Schülern die Begeisterung fürs Gründen zu wecken. Deshalb wird nicht gleich jeder ein Unternehmen gründen – immerhin haben wir ja auch nicht 8 Millionen Profi-Skirennfahrer. Es wird aber jeder lernen, dass Probleme oft Chancen sein können und dass man sehr wohl selbst etwas bewegen kann – egal ob als Unternehmer, als Angestellter, als Student, als Lehrer, als Wissenschaftler oder als Mensch im täglichen Leben.
Genau das treibt uns auch bei AustrianStartups an. Vor 5 Jahren sind wir angetreten, um dafür zu sorgen, dass Startups in Österreich kein Fremdwort mehr sind. Seitdem hat sich die Anzahl der Startup-Gründungen verdoppelt, das Angebot an Risikokapital verzehnfacht und wir haben gemeinsam ein Ökosystem aufgebaut, dass Gründer nachhaltig unterstützt. Das war aber nur der erste Schritt. Für die Zukunft haben wir uns jetzt zum Ziel gesetzt, dass Entrepreneurship in Österreich so normal wird wie Skifahren. Das wird nicht von heute auf morgen klappen und wir werden dabei jede Unterstützung brauchen, die wir bekommen können – aber wenn uns die letzten 5 Jahre eines gelehrt haben, dann, dass man auch in Österreich sehr schnell sehr viel bewegen kann.
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Markus Raunig leitet als Geschäftsführer von AustrianStartups ein Team von rund 50 Startup-Enthusiasten in ganz Österreich. Er ist Co-Autor des Austrian Startup Monitors und der Austrian Startup Agenda, Lektor an der Wirtschaftsuniversität Wien und selbst passionierter Gründer. Im Rahmen seines Studiums spezialisierte er sich im Bereich Entrepreneurship und erforschte Innovations-Cluster und potenzielle Barrieren bei der Adoption von künstlicher Intelligenz. Er unterstützt Startups aktiv als Mentor bei Programmen wie dem Pioneers Festival, dem Agro Innovation Lab oder dem Social Impact Award.