Open Data meets eParticipation
Die Digitalisierung eröffnet der Verwaltung neue Möglichkeiten der Öffnung nach außen mittels Open Government. Unter diesem Begriff wird derzeit Open Data und eParticipation subsumiert. Beim ersten Ansatz werden die von der Verwaltung bisher intern verwendeten Daten der Öffentlichkeit kostenlos und frei zur Verfügung gestellt. Im Sinne eines Public Private Partnership können auf dieser Basis Startups, etablierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen ohne Risiko und kostengünstig innovative Lösungen entwickeln. Auf Basis der offenen Daten Wiens sind z.B. mehr als 200 Anwendungen entstanden. Bei eParticipation geht es um die digitale Unterstützung von BürgerInnenbeteiligungsprozessen. Typische Anwendungen sind die Ideenfindung, Diskussion von Dokumenten und die partizipative Entscheidungsfindung. Ein international prämiertes Beispiel für gelungene BürgerInnenbeteiligung ist die Digitale Agenda Wien, bei der die IKT-Strategie der Stadt Wien mit den BürgerInnen erarbeitet wird.
Auf den ersten Blick bestehen zwischen den beiden Komponenten des Open Government keine Synergien. Abstrahiert man aber von den bisher sich getrennt entwickelnden aktuellen Versionen der Systeme und betrachtet das Zusammenspiel von offenen Daten und Beteiligungsprozessen gesamtheitlich dann erkennt man folgende Schnittpunkte zwischen den beiden Open Government Komponenten:
- Voraussetzung für eine erfolgreiche BürgerInnenbeteiligung ist die Information der BürgerInnen. Partizipationsplattformen umfassen daher immer auch einen Informationsbereich für Beschreibungen zum Vorhaben und zum Prozess sowie grundlegende Informationen. Letztere liegen oft bereits in Form von offenen Daten vor.
- Offene Daten können auch der Ausgangspunkt von Ideen und Kommentaren sein. Durch die Einbeziehung offener Daten kann die Umsetzbarkeit der diskutierten Ansätze gesteigert und die Objektivität der Diskussion gefördert werden.
- Im Gegenzug kann die Qualität der offenen Daten gesteigert werden, indem im Rahmen des Partizipationsprozesses Verbesserungen gefunden werden und die Partizipationsergebnisse selbst als offener Datenbestand zur Verfügung gestellt werden. So etwa sind die im Rahmen der Digital Agenda Wien gesammelten Ideen unter auf data.gv.at verfügbar.
Bisher scheitert allerdings die Integration von Open Data und eParticipation daran, dass viele offene Datensätze für die automatisierte Nutzung etwa in Apps optimiert sind, aber für den/die BürgerIn direkt nicht zugänglich sind. Auch bestehen in derzeitigen Partizipationsplattformen keine Möglichkeiten zum direkten Zugriff auf offene Datensätze als Informationsquelle und Basis von Ideen und Argumenten.
Diese Herausforderungen sind Ausgangspunkt des Projektes CommuniData („Open Data for Local Communities“). Das Ziel des Projektes ist, Open Data in Online-Diskussionen unmittelbar zu integrieren, in dem Fakten in Diskussionen direkt aus den Open Data-Portalen entnommen werden können. Hierzu werden die Suchmöglichkeiten in Open Data verbessert und überdies auch ein Web Intelligence-Plattform mit diversen Visualisierungsmöglichkeiten miteinbezogen, um Online-Diskussionen in einem breiten Kontext anschaulich darzustellen. Weiterhin werden Mitgestaltungsmöglichkeiten für die End-Benutzer eingeführt, um Open Data und eParticipation tiefer zu verbinden. Die praktische Erprobung erfolgt durch Pilotversuche im Stuwerviertel, einem Teil des Wiener Zweiten Bezirks.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) im Rahmen des Programms IKT der Zukunft im Zeitraum von 1. November 2016 bis 30. April 2019 gefördert. Es umfasst die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der folgenden Partnerorganisationen: Department für Informationssysteme und Prozessmanagement der Wirtschaftsuniversität Wien als Projektleiter und Forschungspartner, Community-based innovation Systems GmbH als Technologieanbieter der Online-Diskussionsplattform Discuto, Weblyzard Technology GmbH als Partner für die Visualisierungs- und Web Intelligence-Komponenten, und der Gebietsbetreuung Stadterneuerung des Wiener Zweiten Bezirks, vertreten durch DI Andrea Mann, verantwortlich für den Gemeinschaftsbau und den Pilotbetrieb im Wiener Stuwerviertel.
__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Prof.Dr. Alfred Taudes ist Professor am Department für Informationsverarbeitung und Prozessmanagement der Wirtschaftsuniversität Wien und beschäftigt sich mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.